Home
Sie sind Freunde, sie tauschen sich untereinander aus und sie treten als Dodas gemeinsam auf. (Bilder zVg)

Winzerinnen, Weinhandwerker und ihre Weine

Anna Barbara von der Crone Kopp und Paolo Visini aus Barbengo sind Mémoire-Mitglieder und ihr Balin, IGT, ist ein Schatzkammer-Wein.

Gaby Gianini und Maurizio Merlo von der Tenuta Castello di Morcote in Morcote sind Mémoire-Mitglieder und ihr Castello di Morcote Riserva, Merlot del Ticino DOC, ist ein Schatzkammer-Wein.

Myra Zündel von Zündel Azienda Agricola in Beride/Castelrotto ist Mémoire-Mitglied und ihr Orizzonte, Merlot del Ticino DOC, ist ein Schatzkammer-Wein. 

Jonas Huber von Hubervini in Monteggio ist Mémoire-Mitglied und sein Montagna Magica, Merlot del Ticino DOC, ist ein Schatzkammer-Wein.

Giorigo und Andrea Rossi von der Azienda Mondò in Bellinzona-Sementina sind Mémoire-Mitglieder. Bei Dodas sind sie mit dem Merlot Ronco dei Ciliegi, Merlot del Ticino DOC. Ihr Schatzkammer-Wein ist jedoch der Bondola.

Cristina Monico vom Weingut Moncucchetto in Lugano mit ihrem Moncucchetto Riserva, Merlot del Ticino DOC. Mitglied beim Mémoire ist sie mit dem Schaumwein Refolo.

Mike Rudolph und Stefania Rago von der Tenuta San Giorgio in Cassina d’Agno mit ihremn Crescendo, Merlot del Ticino DOC. Mitglied beim Mémoire sind sie mit dem Arco Tondo, Rosso del Ticino DOC.

Eliana, Nicola und Raffaele Marcionetti von Settemaggio in Monte Carasso mit ihrem Amiis, IGT.

Sabrina und Ivo Monti von der Cantina Monti in Cademario mit ihrem Il Canto della Terra, Merlot del Ticino DOC.

Sacha Pelossi von der Cantina Pelossi in Pazzallo mit seinem Lamone, Merlot del Ticino DOC.

Simone Favini und Claudio Widmer von Fa’wino in Mendrisio mit ihrem Musa, Merlot del Ticino DOC.

Urs Hauser von der Cantina Hauser in Contone mit seinem Stella, Merlot del Ticino DOC.

Die Geschichte des Merlots im Tessin ist nicht zu Ende erzählt

02. März 2026 / Gabrtiel Tinguely

 

Winzerinnen und Weinhandwerker von zwölf Weingütern, die zu den besten des Tessins zählen, haben sich mit einer klaren Idee zusammengeschlossen. Sie wollen mit charakterstarken Weinen ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Merlots im Tessin schreiben. 

 

Sie sind Winzer und Freunde, die authentische und ausdrucksstarke Weine von hoher Qualität keltern, welche die Eigenschaften des Terroirs und der Persönlichkeit jeder und jedes Einzelnen widerspiegeln. Und sie sind die «DODAS», zwölf im Tessiner Dialekt.

 

Im Mittelpunkt ihres Alltags steht der Rebbau. Gekennzeichnet ist dieser durch terrassierte Parzellen, verstreut über ein Gebiet mit äusserst vielfältiger Geologie. Winzerinnen und Winzer ganz im Süden der Schweiz profitieren von Einflüssen der kühlen, alpinen Region, die sich mit milden, sonnigen Temperaturen der Poebene vermischen. Lange, heisse Sommer mit intensiver Sonneneinstrahlung, Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, der mildernde Einfluss der Seen Ceresio (Lago di Lugano) und Verbano (Lago Maggiore) sowie der natürliche Schutz durch die Voralpen bestimmen das Klima. All dies ermöglicht es ihnen, aussergewöhnlich elegante und feine, mitreissende, moderne Weine mit einer starken Identität zu keltern. Die Weine der Zukunft.

 

Aus Freundschaft und Freude am Wein

 

Am 2. März präsentierte Dodas die erste Kollektion mit je einem Wein der zwölf Weingüter im Refektorium des LAC in Lugano/TI. In einem ersten Teil erzählte Johanna Dayer, Mitarbeiterin an der Fachhochschule für Reb- und Weinbau in Changins/VD und angehende Master of Wine, wie es zum Zusammenschluss der Weingüter und ihrem Entscheid kam, die Rebsorte Merlot in den Mittelpunkt zu stellen. «Die Welt des Weins steht vor grossen Herausforderungen», sagte Johanna Dayer. «Der Konsum nimmt ab, Diskussionen darüber werden technischer, defensiver und die allgemeine Stimmung ist düsterer, unsicherer. In diesem Kontext hat es für mich eine besondere Bedeutung, dass sich zwölf Winzer zusammenschliessen, nicht um Marketing zu betreiben, nicht um eine neue Bezeichnung zu schaffen, sondern um gemeinsame Werte zu bekräftigen.»

 

Dodas ist keine strategische Massnahme. Es ist etwas viel Einfacheres. Und gleichzeitig etwas viel Stärkeres: Es sind zwölf Persönlichkeiten, zwölf verschiedene Arten, den Merlot zu interpretieren, aber sie haben eines gemeinsam: Sie machen alles selbst. Sie bewirtschaften ihre Weinberge, sie kümmern sich um jede Parzelle, sie entscheiden über den Zeitpunkt der Lese und sie keltern, veredeln und füllen ab. Sie verkaufen und treffen ihre Kunden. Von der Scholle bis zum Lächeln nach einem gemeinsam genossenen Glas delegieren sie ihre Identität nicht. Sie entziehen sich nicht ihrer Verantwortung. Jeder Jahrgang wird von Anfang bis Ende gelebt und so angenommen, wie die Natur ihn gegeben hat. «Das erfordert Entschlossenheit, Ausdauer und Präzision», so Johanna Dayer weiter. «Ich stimme den Dodas-Winzerinnen und Winzern zu, wenn sie sagen man müsse aufhören zu technische Reden zu halten, welche den Wein langweilig machen. Wein muss Freude bereiten.»

 

Merlot del Ticino – der Reblaus sei es gedankt

 

José Vouillamoz, international renommierter Ampelograph und Experte für Rebgenetik, zeichnete die Geschichte des Merlot nach. Unter dem Namen «Merlau» tauchte diese im Jahr 1783 in einem in Libourne (FR) gefundenen Dokument erstmals auf. Die heutige Schreibweise geht auf 1824 zurück. Erst 2008 wurde ihre Abstammung mittels Genanalyse entschlüsselt: Merlot entstand in der Region Bodreaux aus einer natürlichen Kreuzung von Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes. Von letzterer wurde 1996 eine Rebe in Saint-Suliac in der Nähe von Saint-Malo im Norden der Bretagne gefunden. Vier weitere «Magdeleine»-Rebstöck wurden in der Charente gefunden und drei im südwestfranzösischen Gers.

 

Cabernet Franc stammt ursprünglich aus dem Baskenland in Norden der Iberischen Halbinsel.

 

Karriere machte Merlot mit dem Einfall der Reblaus. Denn wurzelecht ergab die Rebe kaum spannende Weine. Erst das Pfropfen auf amerikanische Wurzeln liess die Rebe gedeihen. Mit früher Reife und gutem Ertrag begann ihr Siegeszug um den Globus nach dem Frostwinter 1956. Viele erfrorene Cabernet-Parzellen wurden mit Merlot neu bestockt. Heute zählt Merlot zu den am zweithäufigsten angebauten Rebsorten.

 

Als Folge der Reblauskrise schuf der Grosse Rat des Kantons Tessin 1902 einen Wanderlehrstuhl für Landwirtschaft und besetzte diesen mit dem Agronomen und Pharmakologen Alderige Fantuzzi. Er brachte Merlot-Rebstöcke ins Tessin und kelterte 1906 den ersten Wein. 1907 pflanzte Giuseppe Paleari versuchsweise erste 12’230 Merlot-Stöcke im Rebberg des Castello di Morcote. 1908 folgte Giovanni Rossi in Castelrotto/Vallombrosa. 1948 wurde die Qualitätsbezeichnung «Viti» geschaffen und ein Jahr später erhielt der Merlot auch den politischen Segen. Mit der Ernte 1997 wurde die Herkunftsbezeichnung Merlot del Ticino DOC eingeführt.

 

Merlot hat Vergangenheit und Gegenwart. Hat er auch Zukunft?t

 

José Vouillamoz schloss mit einer wesentlichen Frage: War der Merlot eine gute Wahl für das Klima im Tessin und wird er es angesichts des Klimawandels auch bleiben?

 

Angesichts des Drucks durch Krankheiten, der Entwicklung der Niederschläge und des Temperaturanstiegs könnten die Herausforderungen der Zukunft die Rolle dieser Rebsorte in den verschiedenen Regionen neu definieren.

 

«Dass die Niederschläge vor allem im Winter fallen und die Sommer trockener werden, kann zum Vorteil werden», sagte José Vouillamoz. Denn kompakte Trauben mit grossen Beeren trocknen weniger rasch als lockerbeerige und bieten ideale Voraussetzungen für Grauschimmel. Auch der Temperaturanstieg sei nicht zu unterschätzen. «Beste Weine entstehen, wenn Säurewerte, Zuckergehalt und Aromenbildung in einem optimalen Verhältnis zueinanderstehen. Sinkt die Säure und steigt der Zucker, bevor die Aromen ausgebildet sind, besteht die Gefahr, dass es dem Wein an Fruchtigkeit und somit Charakter fehlt.» Potenzial sieht José Vouillamoz in bisher noch nicht erforschten Klonen. «Im Tessin werden fünf verschiedene Klone angebaut. In Frankreich sind es ein Dutzend. Doch dort gibt es in Sammlungen mehr als 300 verschiedene Klone. Mit der Selektion von Klonen und Unterlagsreben für unterschiedliche Terroirs haben wir noch enorm viel Arbeit vor uns», so der Rebgenetiker.

Die Kollektion ist in limitierter Auflage erhältlich.

Eine Kollektion für Liebhaber

 

Nach den Referaten präsentierten die Dodas ihre zwölf ikonischen Weine, die natürlich auch verkostet werden konnten. Die Kollektion mit je einem besten Wein aus Merlot-Trauben des Jahrgangs 2022 ist in einer gediegenen Holzkiste erhältlich und auf 72 Exemplare limitiert.