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La Corne à Vin – Wo Genfer Geschichte auf grosse Weine trifft
15. Februar 2026 / Manuella Magnin
Nur wenige Schritte vom Bahnhof Cornavin in Genf entfernt, verbirgt sich unter der Rue de Lausanne eine andere Welt: jahrhundertealte Gewölbe, die heute einen der aussergewöhnlichsten Weinorte Genfs beherbergen – La Corne à Vin. Dahinter steht Jean-Pierre Pellegrin, Besitzer der Domaine Grand’Cour in Peissy/GE und Mitglied bei der Vereinigung Mémoire des Vins Suisses.
Der Name «La Corne à Vin» bezieht sich auf ein ehemaliges Gasthaus ausserhalb der Stadtmauern von Genf, in der Nähe des Cornavin-Tors. Zu jener Zeit bedeckten Weinberge das heutige Stadtgebiet», erklärt der Winzer Jean-Pierre Pellegrin. Gab das Gasthaus dem Tor seinen Namen oder war es umgekehrt? Das bleibt ein Rätsel.
Tatsache ist, dass Patricia Cottier Pellegrin, Ehefrau von Jean-Pierre, ab 1982 in der Rue de Lausanne einen Laden führte. Um von einem Raum in den anderen zu gelangen, musste man einige Stufen hinaufsteigen. Eine Kuriosität, die Fragen aufwarf. Was, wenn das Gebäude, das ihr Grossvater 1923 gekauft hatte, bereits eine ältere Geschichte in sich trug?
Von Schnüren zum Wein
Nach dem Krieg wurden im Laden der Cottiers Schnüre, Verpackungspapier und Geschirr verkauft. Sie belieferten damit die gesamte Westschweiz, insbesondere auch Hotels. Dann kamen Gläser mit Gemeindewappen und schliesslich Souvenirartikel hinzu. Das Geschäft florierte. Patricias Vater und Onkel traten in das Familienunternehmen ein. 1992 übernahm Patricia den Betrieb. Später wollte sie dem mühsamen Höhenunterschied auf den Grund gehen und gab Untersuchungen in Auftrag. Bei Bohrungen von oben wurde ein mit Erde aufgefülltes Gewölbe entdeckt. «Alles war aufgefüllt worden, wahrscheinlich um die Kosten für die Beseitigung des Erdreichs bei späteren Bauarbeiten in der Rue de Lausanne zu vermeiden», kommentiert Patricia. Als das Erdreich entfernt war, füllte sich der Keller mit Wasser. Doch ein einziges Hauptgewölbe war deutlich zu erkennen.
Eine gigantische Aufgabe
Das baufällige Gebäude muss umfassend renoviert werden. Die ursprüngliche Idee ist bescheiden: Das Gebäude soll um ein Stockwerk erhöht werden. Doch die Sondierungen ändern alles. Zwei Winter lang räumen die Mitarbeiter der Domaine Grand’Cour die Räume von Hand und mit Hilfe von Elektrowerkzeugen. Nach und nach kommen im Untergeschoss Treppen, Durchgänge und neue Gewölbe aus Jura-Stein zum Vorschein, die sich bis zum Ende des Grundstücks und teilweise sogar darüber hinaus unter benachbarten Grundstücken erstrecken. Die Tiefe beträgt fünf Meter, früher sogar noch mehr, wie die alten Steinabläufe und heute verschütteten Schächte beweisen.
Kulturelles Interesse
Angesichts dieser aussergewöhnlichen Entdeckung ist klar: Diese Gewölbe müssen erhalten bleiben. Das Projekt bekommt eine neue Dimension. Die Architekten überarbeiten ihren Entwurf komplett. Dank einer Änderung der Genfer Gesetzgebung, die Aufstockungen und Neubauten in Innenhöfen erlaubt, wird das Gebäude komplett umgebaut und um sieben Stockwerke erhöht. Ein gigantisches Projekt, das von den Behörden schnell genehmigt wird, da sein kultureller und städtebaulicher Wert offensichtlich ist.

So entstand «La Corne à Vin». Im Untergeschoss wurden die Gewölbe restauriert, darüber befinden sich Lagerräume, Büros und ein Aparthotel. Das Gebäude in den Farben von Wein ist unübersehbar, wenn man mit dem Zug am Bahnhof von Genf ankommt oder abfährt. Das gesamte Gebäude ist trotz der unmittelbaren Nähe zu den Gleisen perfekt schallisoliert.
Der bereits im Jahr 2018 eingeweihte Ort lebt zwischen Erinnerung und Moderne. Hier finden Begegnungen und Veranstaltungen wie Abendessen, Weinverkostungen, Seminare, Workshops, Konferenzen oder auch Afterwork-Events statt. «La Corne à Vin» ist zu einer Brücke zwischen den Schichten der Genfer Vergangenheit und den aktuellen Gewohnheiten geworden.
Heute steht Chloé Pellegrin, Tochter von Jean-Pierre, an der Spitze dieses einzigartigen Ortes. Es wird ausschliesslich Wein von Jean-Pierre Pellegrin ausgeschenkt, darunter der berühmte Grand’Cour, eine Cuvée aus Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, die ein Teil der Schatzkammer des Mémoire ist. «La Corne à Vin» ist heute nicht nur ein Ort für grossen Weine – sondern ein Ort, an dem Genf seine eigene Vergangenheit wiederentdeckt.
La Corne à Vin
Rue de Lausanne 47 b
1201 Genève