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Pinot Noir – dafür schlägt sein Herz
26. Februar 2026 / Pierre-Emmanuel Buss
Hut ab: Alexandre Perrochet übernahm im November 2024, wenige Tage vor dem plötzlichen Tod seines Vaters Jean-Denis, die Leitung der Domaine de la Maison Carrée in Auvernier/NE. Er verfolgt das Ziel, Weine zu produzieren, welche die naturgegebenen Voraussetzungen und Traditionen zum Ausdruck bringen.
In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Domaine de la Maison Carrée als unverzichtbare Referenz für Weine aus Neuenburg und der Schweiz etabliert. Die drei Einzellagen-Pinot-Noirs des Weinguts, darunter der in der Schatzkammer des Mémoire des Vins Suisses vertretene «Auvernier», sind für Liebhaber nur schwer zu finden. Denn die Nachfrage übertrifft das Angebot bei weitem. Diese limitierte Verfügbarkeit verstärkt den Kultstatus der Cuvées. Dennoch ist die Domaine de la Maison Carrée auf den Weinkarten zahlreicher Mémoire-Restaurantpartner sowie legendärer Restaurants wie dem mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant von Anne-Sophie Pic in Valence (FR) zu finden.
Dieser Erfolg ist das Ergebnis der grundlegenden Arbeit von Jean-Denis Perrochet, Vertreter der 6. Generation der Familie an der Spitze des «Maison Carrée», der im November 2024 im Alter von 63 Jahren unerwartet verstarb. Ein tragischer Zufall: Nur neun Tage zuvor hatte der Winzer seinem Sohn Alexandre offiziell die Schlüssel für das 10,5 Hektar grosse Weingut übergeben. «Wir haben seit 2015 zusammengearbeitet, daher war ich bereit, die Nachfolge anzutreten», erklärt der Sohn bescheiden. «Es ist natürlich schwer, ohne ihn weiterzumachen – vor allem, weil er über eine aussergewöhnliche Tatkraft verfügte.»
Umbau und Projekt zur Erweiterung des Kellers
Einige Monate zuvor waren Alexandre Perrocht, seine Frau Charlotte und ihre Kinder in den südlichen Teil des Maison Carrée gezogen, der seit 1827 von der Familie bewohnt wurde. Die Wohnung stand seit dem Tod des Grossvaters Jean-Jacques im Oktober 2022 leer. Das Paar nutzte die Gelegenheit, um Renovierungsarbeiten durchzuführen, darunter die Schaffung eines Erkerfensters im Wohnzimmer mit Blick auf den Obstgarten am See. «Es ist viel heller als zuvor», freut sich der neue Hausherr.
In den nächsten Jahren stehen weitere Veränderungen an. Alexandre Perrochet hat das gemeinsam mit seinem Vater Jean-Denis Ende 2025 entworfene Projekt zur Erweiterung des historischen Weinkellers zur Begutachtung vorgelegt. «Derzeit verfügen wir über 700 Quadratmeter Fläche, die sich auf mehrere Standorte verteilen, von denen fast die Hälfte gemietet ist», erklärt der Winzer. «Das ist nicht sehr praktisch. Unser Ziel ist, die Fläche zu verdoppeln, um die Kellerarbeiten zu rationalisieren. Wenn alles wie geplant verläuft, werden die Arbeiten 2027 zum 200-jährigen Jubiläum des Weinguts abgeschlossen sein.»
Alexandre Perrochet wird diese Gelegenheit nicht nutzen, um die Produktion des Weinguts erheblich zu steigern, um der Nachfrage besser gerecht zu werden: «Dazu müsste man erst einmal Rebberge finden, was in dieser Region nicht einfach ist.» Das ist aber ohnehin nicht die Idee. Er könnte sich vorstellen, auf 11 oder 12 Hektar zu erweitern, wenn sich eine Gelegenheit mit einem zugänglichen und leicht zu bearbeitenden Grundstück ergibt, aber mehr nicht. «Ich möchte die Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess behalten, vom Rebberg bis zum Verkauf.»
Aufwertung nach Zertifizierung – aber immer noch preiswert
Eine Möglichkeit, die Nachfrage zu regulieren, wäre eine Preiserhöhung. Angesichts ihres guten Rufs gelten die Weine von Perrochet nach wie vor als moderat kalkuliert. 2024 wurde der «Auvernier» für 32 Franken verkauft (12’000 bis 14’000 Flaschen jährlich), der «Hauterive» für 36 Franken (4000 bis 4500 Flaschen) und der «Le Lerin» für 48 Franken (2000 Flaschen). Zwar sind die Preise seit 2008 um rund fünfzehn Franken gestiegen, doch liegen sie weiterhin unter jenen vieler renommierter Weine aus der Region. Gleichwohl steht der junge Chef, der in Wädenswil/ZH und Beaune (FR) im Burgund ausgebildet wurde, dieser Entwicklung mit gewissem Unbeahagen gegenüber: «Ich höre lieber, dass wir unsere Weine zu günstig verkaufen, als das Gegenteil.»
Auf die Frage nach den Gründen für diese Aufwertung verweist Alexandre Perrochet auf die grundlegende Arbeit seines Vaters im Rebberg. Diese ermöglichte einen Qualitätssprung. Dazu kamen die Umstellung auf biologischen und dann auf biodynamischen Anbau mit Demeter-Zertifizierung im Jahr 2013. Zudem werden die Trauben im Rebberg sortiert und in 13-Kilo-Kisten, welche die Beeren schonen, gelesen und in den Keller gebracht. Er schliesst mit einer schönen Hommage an seinen verstorbenen Vater: «Die Ausstrahlung von Jean-Denis hat ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt!»
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