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Premieren, neue Mitglieder und ein Preis für besondere Leistungen
9. März 2026 / Gabriel Tinguely
Dank optimaler Vorbereitung war die Generalversammlung des Mémoire des Vins Suisses eine Formsache. Denn die Mitglieder stimmten am 9. März in der Mühle Tiefenbrunnen in Zürich allen Traktanden zu. So blieb reichlich Zeit für die Verkostung junger und gereifter Weine sowie für Gespräche unter Freunden.
Die Traktanden bargen einiges an Zündstoff. So wurde das überarbeitete Mitgliederreglement ohne Diskussion gutgeheissen. Dieses sieht nebst einem erweiterten Aufnahmeverfahren für neue Produzentenmitglieder eine Beobachtungsphase bei Betriebsübergaben sowie Unregelmässigkeiten bei den Qualitätskontrollen der Weine vor. Als Premiere in der Geschichte des Mémoire wurden Kriterien für einen Ausschluss aus der Vereinigung neu ins Reglement aufgenommen.
Dass die Rechnung 2025 mit Gewinn abschloss, nahmen die Mitglieder wohlwollend zur Kenntnis. Angenommen wurde auch das Budget des laufenden Jahres. Damit bewilligten die Mitglieder den «Mémoire Summit». Zu diesem sollen Ende August nationale und internationale Journalisten eingeladen werden. Auf dem Programm steht neben der Verkostung von Schatzkammer-Weinen ein Besuch der Weinbauregionen Wallis und Lavaux – auch dies ist eine Premiere. Zudem wurde erstmals an einer Mémoire-GV der Budgetentwurf für ein weiteres Jahr, das 2027, vorgelegt.
Pierre-Alain Bapst, der neue Direktor der Swiss Wine Promotion, stellte sich und die Strategie 2026 bis 2029 des nationalen Promotionsorgans für Schweizer Weine vor.


Einen Wechsel gab es im Vorsand: Weinjournalist Benjamin Herzog ersetzt Yanna Delière vom Journal des Sommeliers, die aus persönlichen Gründen zurücktrat. Benjamin Herzog arbeitete während 20 Jahren als Redaktor beim Weinmagazin Vinum. Seit acht Jahren ist er Chefredaktor des Wein und Genussmagazins Falstaff. Im Vorstand des Mémoire wird Benjamin Herzog die Kontrolldegustationen leiten.
Auch unter den 59 Produzentenmitgliedern gab es eine Mutation. Benoît und Maryline Dorsaz haben ihr Weingut an Caroline Frey verkauft. Sie ist hoch motiviert mit dem Syrah de Fully Quintessence als Schatzkammer-Wein im Mémoire mitzuwirken.

Mit dem Multitalent Geny Hess konnte das Mémoire einen neuen Experten begrüssen. Der gelernte Bankkaufmann und Koch ist Inhaber und Geschäftsführer der Hess Selection AG in Engelberg/OW. Zudem arbeitet er als Weinkolumnist und Präsident Gault-Millau-Weinjury, Der passionierte Jäger und Weinliebhaber sagt über sich: «Wein ist mehr als nur eine Passion – er ist mein Leben.»
Bei den Restaurant-Partnern gab es eine Mutation: Angela Hug zügelten vom «Zwyssighaus» in Bauen/UR ins Hotel Restaurant Wysses Rössli Schwyz/SZ. Dieses Jahr kann das Mémoire auf drei neue, engagierte Restaurants als Partner zählen: Das «Njørden» in Aubonne/VD, das «Le Pérolles» in Freiburg und das «La Sorgente» in Vico Morcote/TI.
Restaurant Njørden in Aubonne

Im Zentrum des Städtchens Aubonne, gleich gegenüber dem Gemeindehaus, befindet sich das Hotel Restaurant Njørden. Ein idealer Ausgangspunkt, um die Weingüter der Umgebung zu erkunden. In den mittelalterlichen Mauern des «Njørden» zelebriert Philippe Deslarzes ein nordisches Gourmet-Erlebnis. Dafür wurde er mit einem Michelin-Stern und 16 Punkten von Gault Millau ausgezeichnet. Das skandinavische Restaurant bietet eine Vielzahl an Schweizer Weinen an. Sommelier Simon Stephan hat 116 Weine von 27 Mémoire-Mitgliedern ausgewählt. Dazu kommen 15 Crus, die das Mémoire für die Schatzkammer ausgewählt hat.
Restaurant Le Pérolles in Freiburg

Der Gastronomiebetrieb im 1982 eingeweihten Sitz der Freiburger Kantonalbank hat eine bewegte Geschichte. Nach einer Bierquelle und später dem «Rock Café» beherbergt der Bau von Architekt Mario Botta heute das elegante Restaurant Le Pérolles. Julien Ayer hat den Betrieb Anfang Februar 2026 von seinem Vater Pierrot übernommen. Zusammen mit Küchenchef Victor Moriez wird eine anspruchsvolle Geschmackskultur mit einem tiefen Respekt vor dem Produkt zelebriert. Auf der Weinkarte finden sich 135 Positionen von 28 Mémoire-Mitgliedern sowie 17 Schatzkammer-Weine.
Ristorante La Sorgente in Vico Morcote

Hoch über dem Lago di Lugano, in einer engen Gasse des pitoresken Dorfes Vico Morcote, steht das mondäne Relais Castello di Morcote. Diesem angegliedert ist das «La Sorgente». Küchenchef Francesco Sangalli serviert eine einfache Küche mit Schwerpunkt auf lokalen Zutaten, von denen viele von dem eigenen Bauernhof des Restaurants stammen. Dazu empfiehlt Sommelière Giulia Bernasconi Pozzoli immer mehr Schweizer Weine an. Auch die Eigentümer Gaby Gianini und Maurizio Merlo setzen auf heimische Crus. 49 Weine von 23 Mémoire-Mitgliedern und 17 Schatzkammer-Weine sind im Angebot – Tendenz steigend.
Eine weitere Premiere war die Vergabe des Mémoire Award für eine besondere Leistung. Dieser ging die Domaine du Mont d’Or in Sion/VS. Mit dem Weintourismusprojekt «Mont d’Or Flash Tag Game» gewann sie erst die Schweizer Ausscheidung des «Regional Best Of Wine Tourism» und qualifizierten sich für den internationalen Wettbewerb «Global Best Of Wine Tourism». Am 6. November 2025 holte sich die Domaine du Mont d’Or in Bordeaux im Rahmen des weltweiten Netzwerks Great Wine Capitals (GWC) die Trophäe für die Schweiz. Der Mémoire Award wurde Marc-André Devantéry, Betriebsleiter der Domaine du Mont d’Or, überreicht und ist mit einem Gutschein bei einem Restaurant-Partner dotiert.
Nach über 20 Jahren als Fotograf im Dienste des Mémoire verabschiedete sich Hans-Peter Siffert von weinweltfoto.ch mit einer Retrospektive seiner Arbeit. Die Mitglieder dankten ihm mit tosendem Applaus.