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Gianmarco Ofner bewirtschaftet sieben Hektar Steillagen am Rhein. Das Weingut Pircher am Eglisauer Stadtberg ist seit 2002 fester Bestandteil des Mémoire des Vins Suisses. Seit 2014 ist Gianmarco Ofner Co-Präsident der Vereinigung.
Riesling und Lagenweine aus Eglisau
31. Januar 2026 / Woflgang Fassbender
Reben zu pflanzen, ist ein Generationenprojekt. Neuausrichtungen wollen gut überlegt sein und neue Anlagen brauchen Zeit bis sie optimale Erträge ergeben. Dennoch erlebt der Schweizer Weinbau einen Imagewandel. Junge Winzer wie Gianmarco Ofner aus Eglisau/ZH zeigen, dass sich Innovation und Tradition nicht ausschliessen müssen.
Gewürztraminer kann oft besser reifen als vermutet – auch der aus Eglisau. Für Wein aus der aromatischen Sorte hat sich das hier ansässige Weingut Pircher mit Recht einen Namen gemacht. Ein kürzlich verkosteter 2011er zeigte, dass man sich mit dem Trinken der Spezialität nicht beeilen muss. Doch in Eglisau gibt es dann doch ein bisschen mehr zu entdecken als nur rosenduftige Würze. Riesling zum Beispiel.
Gianmarco Ofner, der den Betrieb zum Jahreswechsel 2021/2022 von seinem Götti Urs Pircher übernommen hat, ist überzeugt von jener Sorte, die in der Schweiz lange als wenig attraktiv, als Nische, als den Deutschen und den Elsässern zu überlassende säurereiche Spezialität galt. «Riesling ist für mich sehr wichtig und wird langfristig nach Pinot Noir und Pinot Gris die drittwichtigste Sorte auf unserem Betrieb werden», sagt Gianmarco Ofner. Und sage keiner, dass hier blauäugig agiert würde. Schon Urs Pircher pflanzte, im Jahr 2013, erstmalig Riesling, und bereits zwei Jahre später schaute der junge Winzer beim aus der Schweiz stammenden und an der deutschen Mosel zu Riesling-Ruhm gekommenen Daniel Vollenweider vorbei, um das ganze Potenzial der Sorte kennenzulernen. «Wir haben dann 2024 erneut eine Parzelle neu mit Riesling bepflanzt und diesen Frühling kommt nochmals ein Stück dazu», ergänzt der heute 33-Jährige. «Dann werden wir circa 90 Aren Riesling haben.» Vielleicht werden aus dem einen Riesling auch mal zwei. Den aktuell verfügbaren trockenen Riesling aus Eglisau könnte dereinst eine feinherbe oder gar eine süsse Variante ergänzen. Mal schauen.
Komplex, aber nicht kompliziert
Süsse wird allerdings eine Ausnahme bleiben im Sortiment des Gutes, von dem aus man einen grandiosen Blick über den Rhein hat. Hochwertige Weine mit schmeckbarem Zucker sind und bleiben wohl ein absolutes Nischenprodukt, in der Schweiz wie anderswo. Mehr im Trend liegen dagegen Lagenweine der trockenen Art, ausdrucksstark und limitiert. Gianmarco Ofners Pinot Noir namens Sonnenhalde zeigt, wie sich Zürcher Wein im Besonderen und Schweizer im Allgemeinen profilieren können. Mit der Nennung einer speziellen Lage auf dem Etikett ist es indes nicht getan. Es müsse, so Gianmarco Ofner, alles zusammenpassen. Lage, Boden, Ausrichtung, Sorte, Klon und Unterlage. Das Alter der Reben ist da nur ein Faktor und nicht das ausschlaggebende Kriterium – es müssen nicht immer 40, 50 oder noch mehr Jahre sein. Auch mit 20 Jahre alten Stöcken könne man, hat Gianmarco Ofner herausbekommen, tolle Sachen machen. Das Tolle darf dann auch etwas kosten. 86 Franken pro Flasche. Limitierte Menge. Was zu berichten. «Vielleicht ist das der Weg, den der Schweizer Weinbau gehen sollte», sinniert Gianmarco Ofner. «Mehr Geschichte erzählen, mehr Emotion, unsere wunderschönen Lagen und unser tolles Handwerk in den Vordergrund stellen.»
Apropos Vordergrund. Das Holz soll natürlich nicht herauszuschmecken sein, weder in der Sonnenhalde noch sonst wo. Wichtig ist es dennoch. Mit Ausnahme von Riesling-Silvaner und Gewürztraminer wird es überall eingesetzt im Weingut Pircher, selbst beim Riesling und beim Räuschling, von denen immer mal wieder ein Teil in alten 500-Liter-Fässern reift.
Mehr Raum für Wein
Weil aber etwa die im Südtirol hergestellten Fässer aus französischem Holz, mit denen Gianmarco Ofner gern arbeitet, auch Raum benötigen, wird schon seit geraumer Weile an einer Erweiterung des Kellers gearbeitet. Die Klärung aller Fragen verlangt Zeit. «Wenn alles rund läuft, rechnen wir damit, die Trauben der Weinlese 2028 im neuen Keller entgegennehmen zu dürfen.» Dann wäre endlich Zeit, die notwendigen Abläufe besser respektieren oder Platz schaffen für Projekte, die bisher nicht umsetzbar waren. Eines ist klar: Auch im neuen Keller wird es weiterhin Vielfalt geben: den roten Lagenwein, zu dem man Geschichten erzählen kann, den zukunftsträchtigen Riesling und natürlich den etablierten Gewürztraminer.