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Die Schafe halten in Rebparzellen das Gras kurz, sie liefern die Vorlage für Geschichten und stehen Pate für neue Produkte. So ist der Perlwein Fortunella nach einem Schaf benannt, welches lange Jahre in der Rebparzelle für den Rosécco geweidet hat. Der Wein wird aus der Traubensorte Divico gekeltert.
Kleine Schafe für grosse Weine
20. September 2026 / Alexandre Caldara
Auf dem Weingut Cave du Rhodan in Salgesch/VS weiden etwa dreissig bretonische Ouessant-Schafe. Sie fressen das Gras unter den Rebstöcken und ersetzen so den Einsatz von Maschinen. Luc Mounir erzählt von seiner Leidenschaft aus Kindertagen, die nun der Gesamtvision des Weinguts zugutekommt.
Luc Mounir begeistert sich für Schafe. Er zeichnet sie nicht nur, sondern möchte sie wie Wolken in seine Landschaft einbetten. Er beobachtete sie bei Michael Burkhart in Weinfelden/TG, einem Kollegen seiner Eltern Sandra und Olivier Mounir. Als Spross der Winzerfamilie der Cave du Rhodan in Salgesch gefällt Luc die Idee, Leben in die Bio-Weinberge zu bringen, die daher ganzjährig begrünt sind.

«Unsere Schafe ersetzen teilweise die Mähmaschinen, und ich werde zum Schäfer unter freiem Himmel. Es handelt sich nicht um ein Marketingprojekt, auch wenn es die Menschen anspricht, wenn wir darüber berichten. Alles geht auf meine Kindheitserinnerungen zurück», erklärt der 24-jährige Luc Mounir, der auf dem Weingut in allen Bereichen tätig ist, insbesondere im Weinbau. Diese Aktivität bietet einen anderen Blickwinkel auf die innovative Cave du Rhodan, die seit 2016 Mitglied des «Mémoire des Vins Suisse» ist und mit ihrem fruchtigen, charaktervollen Pinot Noir «Diversitas Hommage» 2022 den Titel «Schweizer Weingut des Jahres» erhielt.
Umgestaltung einer Parzelle für dieses Projekt
Die Geschichte auf einer Schulreise. Während der Fahrt nach Italien fragte der 13-jährige Luc Mounir den Unternehmer und Busfahrer Olivier Constantin, was er mit dem grossen Grundstück direkt an der Sprachgrenze zwischen dem Oberwallis und dem Unterwallis vorhabe. Auf diesem Grundstück lagerte er lediglich Aushubmaterial in Form von Sand aus dem Bach Raspille, was keinerlei Mehrwert brachte. Luc erzählte ihm von seiner Suche nach Weideland für Schafe. Olivier Constantin fand es faszinierend, dass ein junger Mensch mit so ausgereiften Ideen auf ihn zukam. Die Parzelle konnte von der Cave du Rhodan erworben werden. Mit der Anpflanzung der widerstandsfähigen roten Rebsorte Divico und der Herstellung des seit 2014 produzierten Schaumweins Fortunella Rosécco, benannt nach einem der ältesten Mutterschafe, entwickelte sich eine Geschichte. Aus dieser Parzelle entsteht auch der alkoholfreie, kohlensäurehaltige Traubensaft namens Schorsch, benannt nach dem Widder. Leider konnte Olivier Constantin das von ihm mit Spannung erwartete Ergebnis nicht mehr miterleben, da er 2015 verstarb.
Später, während seines Agrarstudiums in Zollikofen, widmete Luc Mounir seine Abschlussarbeit der Begrünung von Weinbergen und fasste sie wie folgt zusammen: «Schafe fressen das Gras und produzieren Dünger, sorgen für Artenvielfalt, und Insekten mögen Schafe.»
Nach der Weinlese und bis zum Frühjahr
Luc Mounir stellt fest, dass die meisten Schafe für die Weinberge zu gross sind, auch wenn er und einige seiner Kollegen bereits mit Skudden- oder Schwarzschnauzenschafen gearbeitet haben. Vor mehr als zehn Jahren entschied er sich jedoch für die Rasse Ouessant, die kleinste Schafrasse Europas. Der Hauptgrund lag in ihrer Risthöhe von 40 bis 45 Zentimetern. «Das ist wichtig, damit die Tiere unter den Rebstöcken und den Bewässerungsrohren hindurchpassen und die Weinblätter nicht zu stark abweiden.» Die Männchen besitzen kräftige, breite Hörner mit einem einzigen Bogen, ähnlich denen eines Mufflons. Die Weibchen haben keine Hörner. Die Ohren sind klein, kurz und stehen leicht aufrecht. Der frühe Export der Ouessant-Schafe auf das Festland, insbesondere in die Parks und Gärten der Schlösser, sicherte das Überleben der ursprünglichen Rasse.

Die Schafe der Cave du Rhodan weiden in den Weinbergen, vor allem nach der Weinlese und bis zum Austrieb im Frühjahr. Das Weingut begann mit vier Schafen und stockte die Zahl jedes Jahr auf, so dass heute das ganze Jahr über etwa dreissig Schafe auf dem Weingut im Einsatz sind. Das reicht jedoch nicht aus, um auf der gesamten Fläche von 19 Hektar eine optimale Wirkung zu erzielen: «Sie werden auf etwa zehn Hektar sowie auf Parzellen im Naturpark Pfyn eingesetzt, mit dem wir eine Partnerschaft unterhalten.»
Die Schafe weiden das hohe Gras ab und düngen die Weinberge. Die Tiere können im Sommer auch in den Weinbergen eingesetzt werden, um gezielt einige Blätter zu entfernen und das Gras kurz zu halten. Bei grosser Hitze werden sie auf eine Alp in Vercorin gebracht. Diese sehr robuste und anspruchslose Rasse passt sich gut an das manchmal karge Futter in den Weinbergen an. Luc Mounir hat auch versucht, Kunekune-Schweine in den Weinbergen einzusetzen, «aber sie vertragen die Hitze nicht gut genug und erweisen sich als etwas weniger effizient.»
Natürlich wollte Luc Mounir alles über die Herkunft seiner Schafe erfahren. So reiste er in die Beretagne und er beschreibt seine Reise wie folgt: «Besser hätte sie bei strömendem Regen nicht beginnen können. Die wilde Landschaft, der Atlantikwind und der feuchte Boden vermittelten mir einen Eindruck von den Bedingungen, unter denen sich die Ouessant-Schafrasse entwickelt hatte. Mein erster Besuch führte mich zu einem der traditionellen Betriebe, die eng mit der Geschichte dieser Rasse verbunden ist. Dort traf ich Monique Abbé, die Tochter von Paul Abbé, die sich schon sehr früh für den Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Schafe engagierte und in den 1970er Jahren an der Gründung des Züchterverbands für Ouessant-Schafe mitwirkte.» Dieser Verband ermöglicht es ihr, Erfahrungen auszutauschen, insbesondere mit Winzern aus der Champagne.
Aus dem Kind, das einst die Schafe beobachtete, wurde ein Spezialist für die Zusammenarbeit im Weinberg mit seinen wolligen Tieren, die er nach wie vor mit ebenso grosser Zuneigung betrachtet.

Im Jahr 2007 übernahm bereits die 3. Generation der Familie Mounir die Firma und ist Garant dafür, dass die Aufschrift «Mounir Weine» noch während weiteren Generationen als Inbegriff für Qualität und Kundennähe leuchten kann. 2022 feierte das Familienunternehmen sein sechzigjähriges Bestehen. Es kann auf viele Erfolge und Errungenschaften zurückgeblickt werden: Der Weltmeistertitel im Jahr 1972, das Grand Cru Konzept, die erfolgreiche und disziplinierte Umsetzung des biodynamischen Rebbaus während den letzten Jahren und der Titel des Schweizer Weingut des Jahres 2022 unterstreichen das Qualitätsbestreben und den Pioniergeist von Cave du Rhodan.